Industry Insights

JRC: 18 Produktgruppen mit Ecodesign-Potenzial.

Das Joint Research Centre der Europäischen Kommission hat im November 2024 eine umfangreiche Analyse veröffentlicht: 18 Produktgruppen mit höchstem ESPR-Potenzial — selektiert aus 33 Kandidaten. Diese Liste prägt die DPP-Pflicht-Welle ab 2028.

Während sich die Industrie auf die ersten ESPR-Pflichten ab 2027 vorbereitet, hat das Joint Research Centre (JRC) bereits den Blick auf die zweite Welle gerichtet. Die JRC-Publikation 138903 (November 2024) ist die methodisch sauberste Analyse, welche Produktgruppen das größte Ecodesign-Potenzial für die EU bieten.

Die Methodik

Das JRC hat 33 Kandidaten-Produktgruppen anhand von vier Hauptkriterien bewertet:

  1. Umweltrelevanz — wie groß ist der ökologische Fußabdruck der Produktgruppe?
  2. Verbesserungspotenzial — wie viel kann durch Ecodesign realistisch verbessert werden?
  3. Strategische Autonomie — reduziert Ecodesign Abhängigkeiten von Drittstaaten?
  4. Bestehender Regulierungsrahmen — wo gibt es Lücken vs. Doppelregulierung?

Pro Kategorie wurden zehn Umweltindikatoren bewertet: Wasser, Luft, Biodiversität, Boden, Lebenszyklus-Energie, Abfall, Klimawandel, Humantoxizität, Materialeffizienz, Lebensdauer-Verlängerung. Das ist deutlich systematischer als der politische Auswahlprozess der Wave-1-Kandidaten.

Die 11 Endprodukte

Endprodukte sind solche, die direkt an Konsumenten oder Industriekunden verkauft werden. Die JRC-Top-11:

Die 7 Vorprodukte (Intermediates)

Vorprodukte sind Materialien und Halbzeuge, die in andere Produkte eingehen. Der Hebel hier ist enorm:

Vier dieser Gruppen waren noch nicht in Wave 1 — sie sind die heißesten Kandidaten für Wave 2 ab 2028.

3 horizontale
Anforderungen wirken produktübergreifend: Haltbarkeit (Durability), Recyclingfähigkeit und Recycling-Anteil. Sie könnten in einem einzigen horizontalen Rechtsakt für alle Produktgruppen gleichzeitig adressiert werden.

Was diese Liste für Hersteller bedeutet

Wer in einer der 18 Produktgruppen tätig ist, sollte die JRC-Analyse als strategischen Frühindikator behandeln. Die Logik:

  1. Wave 1 (jetzt bis 2027) deckt die offensichtlichsten Kandidaten ab — Textilien, Stahl, Möbel, Reifen, Matratzen.
  2. Wave 2 (2028+) erweitert systematisch — die JRC-Liste ist die wahrscheinlichste Reihenfolge.
  3. Das Bewertungsraster der JRC ist transparent — eigene Produktgruppen lassen sich gegen die Methodik prüfen.

Für die DPP-Plattform-Strategie heißt das: Wer heute schon ein Datenmodell aufbaut, das die Anforderungen der eigenen Branche in Wave 2 antizipiert, spart später teure Re-Implementierungen.

Beispiel: Kosmetik-Branche

Kosmetika sind in der JRC-Liste als Endprodukt mit Wave-2-Potenzial geführt. Konkrete Anforderungen werden vermutlich:

Hersteller, die heute schon strukturierte INCI-Datenbanken pflegen und nachhaltige Verpackungen ausweisen, sind für Wave 2 deutlich besser aufgestellt.

Die JRC-Liste ist kein Gesetz — sie ist eine Wissenschafts-basierte Vorhersage. Aber genau diese Vorhersage haben politische Entscheidungsträger als Inputs. Wer jetzt antizipiert, gestaltet mit.

Die nächste Aktualisierung der JRC-Analyse wird 2027 erwartet — synchron mit der Mid-Term-Review des ESPR-Arbeitsplans 2028.

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