Die Global Battery Alliance (GBA) ist die weltweit größte Multi-Stakeholder-Organisation für eine nachhaltige Battery-Value-Chain. Seit 2017 koordiniert sie Hersteller, Bergbauunternehmen, Tier-1-Zulieferer, Recycler, Behörden und NGOs auf das Ziel einer „Sustainable Battery Value Chain by 2030".
Vom Proof-of-Concept zu Operational Trials
Die GBA hat ihren ersten Battery Passport Proof of Concept 2023 auf dem World Economic Forum in Davos vorgestellt. Eine zweite Runde 2024 deckte bereits 80 % des EV-Batterie-Marktes ab und testete reale Sustainability-Daten und ESG-Scoring.
Die Operational Trials 2026 sind der dritte und entscheidende Schritt: keine Proof-of-Concept-Demos mehr, sondern produktive Pilotbetriebe. Gestartet wurden sie am GBA AGM in der Woche vom 8. Dezember 2025, sie liefen über Q1 und Q2 2026 und sind damit abgeschlossen.
Was getestet wird
Die Trials adressieren die zentrale Herausforderung der Battery-Passport-Implementierung: Datenintegration über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg. Konkret:
- Carbon-Footprint-Berechnung über mehrere Tier-Stufen hinweg — von der Mine bis zum verbauten Modul
- Lieferketten-Sorgfaltspflicht-Daten nach OECD Due Diligence Guidelines
- Performance- und Durability-Telemetrie aus dem Fahrzeug zurück an den Hersteller
- End-of-Life-Datenflüsse — Übergabe an Recycler mit kompletter Materialaufstellung
- API-Interoperabilität zwischen verschiedenen Plattformen (jeder OEM nutzt eigene Systeme)
Warum das für die EU-Pflicht 2027 relevant ist
Die EU-Battery-Regulation 2023/1542 verlangt ab Februar 2027 einen Battery Passport für LMT-, Industrie- und EV-Batterien. Die Datenstruktur ist im Anhang XIII definiert — aber die operative Umsetzung in einer realen Multi-Stakeholder-Umgebung ist bisher nicht skaliert getestet worden.
Die GBA Operational Trials liefern genau diese Validierung. Erkenntnisse aus den Trials fließen in die finale Implementierungsstrategie der EU-Kommission ein — und in die Standards von CEN/CENELEC unter Mandate M/604.
Was Hersteller daraus lernen können
- Datenquellen-Mapping ist der Engpass — nicht die Plattform-Implementierung. Wer seine Tier-N-Lieferanten nicht zur Datenherausgabe motivieren kann, hat 2027 ein Problem.
- API-Standardisierung wird entscheidend — proprietäre Schnittstellen blockieren die Interoperabilität. Die CEN/CENELEC-Standards (insb. EN 18225) werden hier zur Pflicht.
- Frühe Partnerschaften zahlen sich aus — Konsortien, die jetzt gemeinsam testen, haben 2027 funktionierende Datenpipelines.
Die Operational Trials sind die Echtbetrieb-Probe für die EU-Battery-Pflicht. Was hier funktioniert, wird Standard. Was scheitert, wird in der finalen Verordnung neu adressiert.
Für Battery-Hersteller, die nicht bei der GBA Mitglied sind, ist es Zeit, sich anzuschließen oder zumindest die veröffentlichten Trial-Ergebnisse aufmerksam zu verfolgen. Die GBA kündigt die Ergebnisse der Trials für Juni 2026 an; auf ihrer Battery-Passport-Seite waren sie zum Stand 19. Juli 2026 noch nicht veröffentlicht.