Im Mai 2025 haben OECD und EUIPO ihre lange erwartete gemeinsame Studie „Mapping Global Trade in Fakes 2025" veröffentlicht. Die Zahlen sind ernüchternd: Trotz steigender Schutzmaßnahmen wächst der Counterfeit-Markt schneller als die Schutzmechanismen.
Die zentralen Zahlen
- 467 Mrd. USD globaler Counterfeit-Handel im Referenzjahr 2021 (= 2,3 % des Welthandels)
- 99 Mrd. EUR Counterfeit-Importe in die EU (= 4,7 % der EU-Importe aus dem Rest der Welt)
- 62 % aller im Welthandel beschlagnahmten Fälschungen stammen aus China oder Hongkong
- Fälschungen erstrecken sich auf 50 von 96 Produktkategorien
Die Top-Kategorien
Hochwertige Konsumgüter dominieren das Counterfeit-Angebot. Die Top-Targets sind:
- Kleidung & Schuhe — der mit Abstand größte Markt
- Lederwaren (Taschen, Gürtel, Portemonnaies)
- Elektronik (Smartphones, Headphones, Zubehör)
- Spielzeug und Lifestyle-Artikel
- Pharmazeutika und Kosmetika (mit massiven Sicherheitsrisiken)
Wie sich die Distribution verändert hat
Die Studie zeigt eine deutliche Verschiebung weg von Container-Schiffsladungen hin zu kleinen Paketen und Online-Plattformen:
- Postdienste sind heute der primäre Distributionskanal — kleine Sendungen umgehen die intensive Zoll-Kontrolle
- De-minimis-Regelungen (zollfreie Schwellenwerte) werden systematisch ausgenutzt
- Freihandelszonen spielen eine zentrale Rolle bei Umverpackung und Re-Routing
- „Localization"-Strategien: Counterfeiters produzieren näher am Endmarkt
Was das für die DPP-Strategie bedeutet
Der Bericht ist mehr als eine reine Marktanalyse — er ist ein Argument für die DPP-Pflicht. Drei zentrale Punkte:
1. Authentifizierung statt Verfolgung. Klassische Track-and-Trace-Ansätze scheitern an der Geschwindigkeit moderner Logistik. Per-Item-Authentifizierung über cryptographische NFC-Signaturen verschiebt die Prüfung zum Konsumenten-Touchpoint — wo Fälschungen tatsächlich auffliegen.
2. DPP als zentrale Wahrheit. Wenn jeder echte Artikel einen verifizierbaren digitalen Pass hat, wird sein Fehlen zum klaren Indikator. Konsumenten können ohne App in Sekunden prüfen, ob ein Produkt authentisch ist.
3. Datenintegration für Behörden. Marktüberwachung und Zoll bekommen über das EU-Zentralregister direkten Zugriff auf Hersteller-Daten. Die Verknüpfung mit Counterfeit-Datenbanken (z. B. EUIPO Anti-Counterfeiting Intelligence Support Tool) wird in den nächsten Jahren ausgebaut.
2,3 % des Welthandels sind Fälschungen — und das in einer Welt, in der Marken massiv in klassischen IP-Schutz investieren. Der DPP ist die strukturelle Antwort: Kein Produkt ohne ID, keine ID ohne verifizierbare Quelle.
Für Brands in den Top-Counterfeit-Kategorien (Mode, Lederwaren, Elektronik) ist das Argument klar: Die Investition in NFC-basierte DPPs zahlt sich nicht erst 2027 mit der Pflicht aus, sondern bereits jetzt durch konkrete Anti-Counterfeit-Wirkung.